Schloss 18 – Rede nicht über Bitcoin

“Rede nicht von Bitcoin” klingt vielleicht etwas radikal. Gemeint ist aber, dass du nicht unnötig preisgeben sollst, dass du Bitcoin besitzt. Es geht schließlich niemanden etwas an, wie viel Geld du in deinem Wallet hast.

Was ist die erste Regel von Bitcoin?

Es ist ein immenser Einschnitt in die Privatsphäre, wenn andere Leute über eure finanzielle Situation Bescheid wissen. Hast du zum Beispiel in 2013 einem damaligen Freund erzählt, dass du 50 Bitcoin gekauft hast, dürfte er sich selbst ausrechnen können, wie viel Geld du aktuell besitzt. Das Problem ist vielleicht nicht dein Freund, sondern der Freund eines Freundes deines Freundes. Ist ja auch ne tolle Geschichte für Partys: “Ich kenne einen, der 2013 Bitcoin für 1000€ gekauft hat!”.

Der Silas, der hat 2013 Bitcoin gekauft! Nein. Doch. Oh!

Wie schnell du zum Ziel eines kriminellen Klientel wirst, mussten in der Vergangenheit eine Menge Menschen schmerzhaft feststellen. Jameson Lopp pfelgt eine Liste solcher physischer Angriffe.

via xkcd

Was Euro und Bitcoin unterscheidet, ist, dass ihr selbst für euer Geld verantwortlich seid. Keine Bank kann eine Transaktion umkehren oder stornieren. Ihr habt unmittelbar Zugriff auf euer Geld. Hat euch erst einmal jemand dazu gebracht ihm eurer Geld zu geben, kriegt ihr es nicht mehr zurück. Erfahrungsgemäß ist das mit einem 5€ Schraubenschlüssel einfacher als eine Verschlüsselung zu knacken.

via pinterest

Die beste Versicherung gegen solch einen Angriff ist nicht jedem auf die Nase zu binden, dass man Bitcoin besitzt. Ein Bitcoin-Sticker auf dem Laptop mag cool aussehen, aber dieser wird wahrscheinlich eher geklaut als ein Laptop ohne Sticker. Wieso sich selbst unnötig zu einer Zielscheibe machen? Man hat wenig zu gewinnen und alles zu verlieren. Die Ausrede “Ich hab schon längst verkauft” lässt euch wohl in Zukunft wie einen Idioten darstellen und wird euch im Ernstfall sowieso nicht geglaubt.

Auch online, wo deine privaten Informationen nicht öffentlich sind, solltest du so wenig Informationen wie möglich über deinen Bitcoin-Bestand verlieren. Ein alter “Ich habe gerade 5000 BTC für 100€ gekauft”-Reddit-Post mag den ein oder anderen dazu überzeugen sich ein bisschen näher mit deiner Person zu beschäftigen. Das mag nicht zutreffen, wenn eure Online-Privatsphäre vollkommen ist – aber bei den wenigsten ist sie das.

Das Verlangen nach öffentlicher Identifizierung mit Bitcoin mag im echten Leben groß sein, doch willst du wirklich die Person mit dem “Ich hab’s euch ja gesagt”-T-Shirt sein?

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