Bitcoins Energiebedarf als Subvention für grüne Energie?

Einer der häufigsten Kritikpunkte, mit denen sich die Bitcoin Community konfrontiert sieht, ist der Energiebedarf. Bitcoin wird immer wieder als Stromfresser und Klimakiller dargestellt. Das Bitcoin Mining wird manchmal geradezu dämonisiert, weil es als scheinbar unnütze Rechenoperation Unmengen an Strom verschlingt. Und das mit einem unstillbaren Energiehunger, der tendenziell immer weiter ansteigt, solange Bitcoin immer wertvoller wird.

Deswegen ist es schon zu verstehen, dass Proof of Work auf den ersten Blick wie ein parasitäres, Energie sinnlos verbrauchendes Monster erscheint. Aber auch nur dann, wenn man über das Thema überhaupt nicht weiter nachdenkt. 

Der Energiebedarf

Bitcoin Energiebedarf
Der geschätzte Energiebedarf von Bitcoin laut Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index

So sorgt der Energieverbrauch immer wieder für Unverständnis und Empören. Die Klima- und Energie-Argumentation kann aber auch komplett in die andere Richtung gedreht werden, sodass Bitcoin am Ende das ist, was den Weg in die grüne Zukunft ebnet. Nicht nur regt Bitcoin aufgrund seiner Werthaltigkeit als Geld zur Sparsamkeit an und ist damit ein positiver Umwelteinfluss, auch kann man den Proof of Work als Förderung von erneuerbarer Energie verstehen. Dabei ist keine Subventionierung gemeint, welche von einer Regierung beschlossen wird, sondern eine, die aus der Nachfrage nach Energie und dem ökonomischen Drang zur Kostenminimierung bei der Deckung dieser Nachfrage entsteht. 

Von allen Dingen, die man produzieren könnte, ist Bitcoin das einzige, was als Input ausschließlich Energie benötigt. Die Mining Industrie ist sehr wohl ein Stromfresser, aber sie ist auch die flexibelsten und am meisten wettbewerbsorientierte Industrie des Planeten. Alle Miner sind dazu angehalten, ihre Energiekosten so gering wie möglich zu halten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dabei sind sie vom Ort ihres Betriebs so unabhängig wie keine andere Industrie. Diese Eigenschaft wird oft übersehen, obwohl sie so einzigartig und wichtig ist. Denn sie macht das Bitcoin Netzwerk zu so etwas wie einem globalen Reward-Programm, welches die Suche nach günstiger Energie belohnt – und nicht etwa anderen Verbrauchern diese Energie wegnimmt. 

Das Ansteigen der Difficulty lässt Bitcoin wie einen Energiefresser aussehen dessen Bedarf nie gedeckt sein kann

Was hingegen nicht so flexibel ist, ist die erneuerbare Energiewirtschaft. Das Aufkommen von Wind- und Solarenergie ist Schwankungen unterworfen und andere Quellen wiederum, wie geeignete Flüsse oder Vulkane, sind natürlich lokal unregelmäßig verteilt. Man kann erneuerbare Energie nicht nach Bedarf überall produzieren wann und wo man möchte. Speicherung und Transport von elektrischem Strom sind zudem teuer und verlustreich. 

Das Florieren der Mining Industrie jedoch kann sowohl als Lastenausgleich für die Solar- und Windenergie dienen, als auch einen Anreiz zum Erschließen und Ausbeuten neuer, günstiger und grüner Energiequellen bieten. Das sind die beiden Hauptgründe dafür, Bitcoin als Förderer anzusehen und nicht als Feind. 

Der Erfolg von Bitcoin führt zu Investments in erneuerbare Energie

Der Erfolg und damit der Preisanstieg von Bitcoin führt bereits dazu, dass ganze Kraftwerke extra für den Zweck des Minings neu geplant und gebaut werden. Immer wieder hört man mittlerweile von Unternehmen, die in das Mining von Bitcoin investieren und hierzu direkt neue Kraftwerke bauen oder mit den Energieerzeugern zusammenarbeiten. 

Square und Blockstream arbeiten an Solarenergie-Betriebenem Bitcoin Mining. Zudem haben Square und ARKinvest ein Paper veröffentlicht, in dem erklärt wird, warum Bitcoin Mining erneuerbare Energien belohnt und als wichtiges Element der Infrastruktur dienen kann. Der norwegische Energiekonzern Aker und die australische Investmentbank Macquarie sind ebenfalls Partnerschaften mit Blockstream eingegangen und beabsichtigen, das Mining mit erneuerbarer Energie voranzutreiben.

Generell lässt sich beobachten, dass Mining dort floriert wo die Energie einfach aufgrund der geografischen Gegebenheiten im Überfluss vorhanden ist, jedoch von der verhältnismäßig kleinen Bevölkerung, Wirtschaft und Industrie gar nicht vollends ausgeschöpft werden kann. So auch durch Vulkane oder Gebirge mit vielen geeigneten Flüssen.

Das Isländische Mining Unternehmen Genesis hat über 400 Millionen Dollar eingesammelt um die dort vorhandene günstige Geothermie stärker zu nutzen. In El Salvador wird derweil Bitcoin Mining mit Vulkanenergie (Geothermie) betrieben.

El Salvador beginnt, Bitcoin Mining mit Vulkanenergie zu betreiben

Wie viel Energie könnte ein aktiver Vulkan maximal liefern? Die Mengen sind sicherlich enorm. Aber bisher fehlten die Anreize, dies auch auszuschöpfen, da erst teure Strominfrastruktur nötig wäre, um den Strom vom Vulkan in die Bevölkerungszentren zu transportieren. Faktisch hat Bitcoin die Ausbeute, die durch Geothermie in El Salvador und Island erbracht werden kann, subventioniert, indem es sie monetarisiert

Wie man sehen kann, beginnt die Energiewirtschaft hier und da bereits mit der Mining Industrie zusammenzuarbeiten und es wird in beiden Bereichen gemeinsam investiert und geplant. Hätten diese Investments in der Form stattgefunden wenn Bitcoin nicht wäre?

Den großen Mining Unternehmen wie Marathon, Argo, Riot oder Hut 8 merkt man an, dass sie sich um Beziehungen zum Energiesektor bemühen. Dabei wird auch auf Klimaneutralität geachtet. Sie werden dadurch profitabler und können wiederum Kapitalerhöhungen durchführen, um ihre Operationen weiter auszubauen.

Ein Reward-Programm für Energieerzeugung

Das Bitcoin Proof-of-Work-Netzwerk wirkt mit seinem unstillbaren Energiehunger wie ein Reward-Programm auf den Energiemarkt, indem es Investitionen anregt und Überschüsse monetarisiert. 

Die Produktionskosten verschiedener Stromquellen via Square

Das unternehmerische Risiko, welches der erneuerbaren Energie grundsätzlich innewohnt, wird minimiert, wenn der Unternehmer vom Fortbestehen des Bitcoin überzeugt ist und mit der Mining Industrie zusammenarbeiten oder selbst Mining betreiben kann. Er kann bei der Planung eines Projektes für erneuerbare Energie von einer garantierten Abnahme seiner Produktion rechnen und mit maximalem Kapitaleinsatz arbeiten.

Mit der Größe der Projekte würden sich dann außerdem Skaleneffekte ergeben. Das heißt, die Kosten für die Umsetzung und Betreibung eines Projektes werden im Vergleich zu kleineren Projekten verhältnismäßig günstiger, da man von gleich bleibenden Grundkosten über Verwaltungs- und Personalkosten bis hin zu möglichen Mengenrabatten profitiert. Vor allem aber profitiert man natürlich von der Ergiebigkeit der jeweils erschlossenen Energiequelle, die nun maximal ausgelastet werden kann. Erneuerbare Energie verursacht schließlich keine Ressourcenkosten und dieser Vorteil sollte der Industrie nützen und nicht aufgrund von fehlender Nachfrage schaden. Aufgabe des Bitcoin Netzwerks ist es diese Nachfrage zu liefern. 

Durch Bitcoin könnte erneuerbare Energie lukrativer erzeugt und somit noch günstiger werden

Wenn eine groß gewachsene und institutionell vertretene Mining Industrie mit der Energiewirtschaft kooperiert, macht sie sozusagen genau das, was ein Staat, welcher erneuerbare Energie fördern will, machen würde: Den Energieerzeugern einen Garant für die Abnahme ihrer Erzeugnisse und somit einen Marktvorteil gegenüber der fossilen Energie geben. Diese Form der natürlichen Subvention ist aufgrund der Marktzyklen des Bitcoin zwar gewissen Schwankungen unterworfen, aber durch den Mechanismus der Difficulty stark vermindert. Ebenfalls verursacht sie auch keine Kosten durch Bürokratie und Steuern. Vielmehr werden durch den neuen Industriezweig sogar zusätzliche Steuereinnahmen und Arbeitsplätze geschaffen. Dadurch wollen einige Staaten die Miner zum Teil schon bei sich willkommen heißen. 

Teilweise wird sogar das Mining selbst subventioniert oder vom Staat selbst durchgeführt. Vor allem Länder mit sehr vielen Energiequellen werden dabei natürlich profitieren und zu stärkeren Wirtschaftsstandorten werden. Es kommt zur Geltung, dass Energie die wichtigste und grundlegendste Ressource ist. Die Fähigkeit sie nachhaltig zu produzieren ist entscheidend beim Voranschreiten einer Volkswirtschaft.

Das Bitcoin Netzwerk fördert sozusagen nicht nur die Energieerzeugung an sich, sondern gibt auch ganzen Ländern mit guten Energiequellen einen wirtschaftlichen Vorteil. Eine Ansiedlung und Gedeihen der Industrien rund um die besten Energiequellen und ein Aufblühen der Wirtschaft in diesen Ländern wird die Folge sein. Ähnlich wie die Ansiedlung der Städte in der Nähe zum Wasser, siedeln sich Industrien rund um die besten Energiequellen an. Jedoch ist keine dieser Industrien ist so flexibel wie Bitcoin. Typische Datenzentren und Serverfarmen benötigen zumindest viel Bandbreite. Bitcoin Miner benötigen nicht einmal das und können als so etwas wie ein Pionier dienen.

Blick in die Zukunft

Über das Ausmaß der dargelegten positiven Effekte lässt sich streiten. Vorhanden sind sie aber auf jeden Fall. Das tatsächlich mögliche Ausmaß wird sich jedoch auch erst zeigen, wenn Bitcoin weiterhin als Store of Value angenommen wird und dementsprechend im Wert steigt. Denn nur dann würde die Mining Industrie ebenfalls weiter wachsen und auf der Suche nach Energie ihre Beziehungen zur Energieindustrie ausbauen. Um das Potenzial zu erkennen, welches dabei möglich ist, muss man sich folgendes vor Augen führen:

Kann das Bitcoin Netzwerk irgendwann mehr von der verlorenen Leistung des Energienetzwerks nutzen?

Eigentlich ist das sogar der einzige Weg für die Miner, dauerhaft günstig ihre Energie zu bekommen, und je mehr erneuerbare Energie produziert wird, desto mehr verschwendete Energie wird es auch zwangsläufig geben. Man könnte meinen, Bitcoin verbraucht einfach noch nicht genügend Strom, um als zufriedenstellendes Rückgrat der Energiewirtschaft dienen zu können.

Wie bereits erklärt, ist die Mining Industrie die am meisten wettbewerbsorientierte überhaupt. Das zeichnet sich sowohl durch ein andauerndes Wettrüsten um die Effizienz beim Finden von Hashes aus, aber auch durch die Suche nach Energie. Mit steigender Effizienz der Mining Hardware und gleichzeitig auch noch mit sinkenden Blockrewards wird sich das Betreiben älterer Hardware schließlich nur noch mit Überschüssen lohnen, welche der Erzeuger ansonsten zu Negativpreisen hätte abstoßen oder verschwenden müssen. Früher oder später wird also jeder ASIC Miner entweder zum “Strom-Recycler” oder außer Betrieb genommen. 

Unweigerlich werden sich auch beide Industrien technologisch weiterentwickeln, durch ihre Zusammenarbeit effizienter werden und weitere Investoren anlocken. Man sieht an den Mining Unternehmen bereits heute, dass diese sehr gut darin sind, neues Kapital anzulocken. Sie werden immer mehr zu Kapital-intensiven Unternehmen, die große Mengen an Bitcoin halten, neue Bitcoin durch Mining akquirieren und weiter Fundraising betreiben. Wenn sie immer Kapitalintensiver werden stellen sie damit auch eine immer größere wirtschaftliche Macht dar. Sie könnten nicht nur mit Energieerzeugern zusammenarbeiten sondern auch selbst zu solchen werden. 

Auf eher kurz- bis mittelfristige Sicht steigt durch den bereitgestellten Energiebedarf des Bitcoin Netzwerks der ökonomische Anreiz für effiziente Ausbeute bei erneuerbaren Quellen. Doch egal wie effizient die Energie erzeugt werden kann, die Schwankungen in der Solar- und Windenergie werden immer ein Problem sein. Solange keine revolutionäre Speichertechnologie erfunden wird, ist das Bitcoin Mining eine hervorragende Möglichkeit zum Lastenausgleich

Eine Energiewende führt zwangsläufig zu stärkeren Schwankungen in der Energieproduktion

Bitcoin könnte beim Bewältigen dieser Herausforderung mithelfen. Wird die Grundlast in Zukunft mehr durch Wasserkraft, Geothermie oder auch Kernspaltung getragen, könnte die Produktion durch fossile Rohstoffe gesenkt werden. Diese Kraftwerke sollten bzw. müssen aber im Dauerbetrieb arbeiten und nicht wie konventionelle Kraftwerke heruntergeregelt werden, wenn, wie hier dargestellt, die Produktion von Windenergie gerade sehr viel ergiebiger ist. Es müsste ein Ausgleich geschaffen werden und gleichzeitig sollte möglichst keine Energie verschwendet werden und jede Quelle optimal genutzt werden können. Egal, ob durch den Verbraucher und die Industrie, durch Speicherung oder durch Bitcoin.

Aufbau des ITER Kernfusion-Reaktors (via businessinsider)

Auf lange Sicht hingegen müssen wir auch über das Bitcoin Mining mit Kernfusion nachdenken. Diese ist eine Technologie, in die sehr viel Hoffnung gesetzt wird, um damit einmal die Energieversorgung des gesamten Planeten zu sichern. Nehmen wir als Beispiel für eine zukünftige günstige Energiequelle einen Fusionsreaktor, welcher Energie im Überfluss bereitstellen kann: Könnte die Anwesenheit der Mining Industrie dann dabei helfen, ein solches Projekt finanzierbar zu machen? Angesichts der hohen Energiemengen die hier anfallen und da man einen Reaktor ungern herunterfahren wollen würde, könnte es gut sein, dass enorme Kapazitäten an Mining Hardware praktisch wären. Das Mining könnte zur Stabilisierung und Monetarisierung eines solchen Projektes dienen. 

Des Weiteren müssen wir auf lange Sicht auch betrachten, wie sich die sinkenden Rewards des Bitcoin Netzwerks auf diese ganzen ökonomischen Mechanismen auswirken. Die unkorrumpierbare Geldpolitik des Bitcoin sieht vor, dass die Ausschüttung neuer Coins langsam aber sicher durch die vierjährigen Halvings beendet wird. Wird dann irgendwann doch nicht mehr subventioniert?

Sobald die Miner überwiegend durch Transaktionskosten bezahlt werden und der Bitcoin nicht mehr sonderlich stark im Wert steigt, ist die Expansion der Mining Industrie wahrscheinlich ebenfalls weitestgehend beendet. Sie wird dann nur noch versuchen können, ihre Kosten zu reduzieren. Sie würde dann viel weniger als Pionier zum Erschließen neuer Energie dienen, aber umso mehr als Arbitrage und Lastenausgleich für das Energienetz der Zukunft dienen. Es würde quasi immer mehr mit diesem “verwoben” sein, sodass ein wesentlich größerer Teil der ansonsten verschwendeten Energie in das Mining fließt.

Abschließende Worte

Angesichts der Chancen, die das Mining für die Energiewirtschaft bietet, wäre ein Paradigmenwechsel und Abkehr vom Klimakiller-Narrativ wünschenswert. Es könnte sich langsam ein neues Energienetz entwickeln, welches weniger aus fossiler Energie, sondern mehr aus effizient ausgeschöpften erneuerbaren Quellen und Miningzentren besteht. Die Mining Industrie kann der erneuerbaren Energie sozusagen einen Ausgleich für die Flexibilität geben, welche ihr im Vergleich zur fossilen Energie fehlt. Am Ende würden die beiden Industrien fest miteinander verbunden sein und sowohl unser Geld- als auch unser Energienetzwerk gleichzeitig sichern. 

Spende uns:

Wenn dir dieser oder einer unserer anderen Beiträge gefallen hat, würden wir uns über eine kleine Spende freuen:

Schreibe einen Kommentar