Die Privatsphäre und Zukunft von Lightning – Interview mit Lightning-Entwickler Openoms

Wie sieht die Zukunft des Lightning-Netzwerks aus? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir niemand Geringeres als Lightning-Entwickler Openoms zu einem Interview eingeladen. Openoms arbeitet seit Jahren an verschiedenen Lightning-Applikationen und Implementationen wie LND.

Im Interview sprechen wir unter Anderem über seine Anfänge in Bitcoin, seine Tipps für neue Lightning-Entwickler und darüber, wie Mainstream-Adoption von Lightning aussehen könnte.

Hallo Openoms. Du bist sehr auf Privatsphäre bedacht, daher ist es recht schwer, mehr über dich herauszufinden. Kannst du uns ein wenig darüber erzählen, wie du deinen Weg zu Bitcoin gefunden hast?

Ja, ich arbeite unter einem Pseudonym. Ich finde, die meisten Leute in Bitcoin sollten das tun. Viele konnten mich aber bereits auf Konferenzen treffen. Ich habe zum Beispiel auf der Lightning Conference in Berlin 2019 gesprochen.

Wie viele andere, habe ich mich schon früh mit Computern beschäftigt und mich 2013 erstmals mit Bitcoin auseinandergesetzt. Es gab damals keine einfache Möglichkeit Bitcoin zu kaufen, weswegen ich an Mining interessiert war. ASICs waren neu und haben schnell an Wert verloren, also entschied ich, dass es sich nicht lohnen würde, monatelang auf den neuesten Antminer zu warten (der bereits vorher vom Hersteller betrieben wurde). Die nächsten Jahre habe ich es dann erstmal dabei belassen.

Anfang 2017 wurde das Mining dann wieder interessant. Diesmal mit GPUs, also fing ich an, GPU-Rigs zu bauen und alles zu minen, was sich lohnte. Ich habe zu dieser Zeit eine Menge über verschiedene Shitcoins gelernt, aber schnell gemerkt, dass keiner davon technisch ausgereift oder dezentral genug ist.

Mir wurde klar, dass Bitcoin der Platz ist, an dem Wert und Brain Power aufeinandertreffen. Das merkt man schnell, wenn man versucht, Nodes zu betreiben. Ich habe es wirklich nur bei Bitcoin, Zcash (eine Bitcoin Software Fork) und Monero geschafft.

Das Segwit-Drama habe ich aus der Ferne verfolgt, da ich damals noch viel über Bitcoin gelernt habe. Das Lightning Network kam 2018 ins Mainnet und war der Zeitpunkt, an dem ich auf meinen ersten dedizierten Hardware-Node wechselte: Ein Raspibolt im Sommer 2018. Schnell entdeckte ich den RaspiBlitz und begann Anfang 2019 daran mitzuarbeiten.

Ich hab meine Liebe zum Programmieren entdeckt (und natürlich zum allgemeinen Hacken), besuchte das Buidl Bootcamp von Justin Moon (Programmierung eines Bitcoin-ähnlichen Systems von Grund auf in Python), Jimmy Song’s Programming Bitcoin Course, Andreas Antonopoluos’s Mastering Bitcoin Buch, etc.. Den Bärenmarkt von 2018-2020 habe ich mit Konferenzen, Twitter, Lernen und Entwickeln verbracht.

Jetzt bin ich hier und widme mich immer noch der Skalierung ( der Entwicklung des Lightning Network) sowie dem Ziel, die Privatsphäre auf allen Layern zu verbessern, und arbeite dabei vollständig Open-Source, sodass man die meisten meiner Beiträge auf GitHub verfolgen kann.

Ich habe immer noch einen Vollzeit-Fiat-Job, aber ich überlege, ob ich nicht Vollzeit zu Bitcoin-LN wechseln soll.

Also war Bitcoin der Grund, warum du mit dem Programmieren angefangen hast? Ich habe viel Gutes über die Kurse von Justin Moons und Jimmy Song gehört. Kannst du sie jedem empfehlen, der programmieren lernen will?

Es gibt viele gute Ressourcen da draußen. Justins Arbeit ist großartig. Jimmy Song’s Buch ist auch gut und jetzt kannst du es selbst oder noch besser mit einer Gruppe durcharbeiten.

Um mit dem Programmieren anzufangen, sind Codecademy, SoloLearn und Saylor Academy auch großartig. Mach dich mit der CommandLine vertraut, Bash, schau dir vielleicht Python an, aber am wichtigsten ist es, an einem Projekt herumzuhacken.

Ich habe Windows benutzt und vor 2017 keine einzige Zeile Code geschrieben. Ich bin schnell auf Linux umgestiegen, was mir viel Selbstvertrauen gegeben hat. Das Bauen eines Raspibolts gab mir den Anstoß, mich in der CLI zurechtzufinden, also ist das vielleicht der beste Weg um anzufangen.

Das ist wirklich motivierend. An welchem Projekt arbeitest du im Moment hauptsächlich?

Ich arbeite aktuell am RaspiBlitz, JoininBox and generellen LN-Routing und Privatsphäre-orientierten Dingen in den Dokumentation-Repositories wie Lightning Node Management und Guides for the Raspiblitz and Linux Desktop.

Openoms Github

Ich bin in den Communities von LND, c-Lightning und Joinmarket aktiv und habe kleinere Contributions für LND und Joinmarket geschrieben.

Fokussieren wir uns ein bisschen mehr auf Lightning und die Zukunft: Da du mit vielen verschiedenen Lightning-Nutzern – Einsteigern und Profis – in Kontakt stehst: Denkst du, dass es eine Zukunft gibt, in der die meisten Leute einen Hardware-Node zu Hause betreiben? Wie wird die Mainstream-Adoption deiner Meinung nach aussehen? Werden geteilte Nodes ein Thema sein?

Ich bin ein Fan des “Uncle-Jim”-Modells für robuste Dezentralisierung. Lightning Nodes werden wie Banken für kleine Gemeinschaften sein. Ein Routingnode für ein paar Leute/Familien, der mehrere UTXOs verwaltet und mit dem sich alle über ihre mobilen Accounts verbinden (Siehe diesen Gist für die mittelfristige Zukunft). Nicht jeder kann oder muss einen dedizierten Node haben. Mobile, mit ein wenig Vertrauen, sollte für die meisten in Ordnung sein.

Du denkst also, dass die Leute in Zukunft immer noch die Main-Layer als ihren Non-Custodial Cold Storage nutzen werden, Alltags-Funds auf Custodial Lightning haben und regelmäßig zwischen den beiden hin und her wechseln?

In 5-10 Jahren werden die Leute komplett aus onchain ausgepreist sein und ihr Geld nur noch auf Lightning haben. Die Bank wird bei Bedarf onchain settlen, aber das wird mit hohen Kosten verbunden sein.

Durchschnittliche Bitcoin-Transaktionskosten via ycharts.com

Stell dir mal 1sat = 1 Dollar vor und denk dann an die Gebühren. Natürlich wird es auch aufgrund dem hundertfachen an Usern deutlich mehr Optimierung geben. Aber die meisten Leute haben eben keine mehrere hundert Dollar an Ersparnissen. Selbst bei 1 sat = 1 cent in 5 Jahren, und das ist nicht einmal bullisch, könnten sich die meisten Leute das nicht mehr leisten.

Würde das nicht heißen, dass die meisten Leute ihre gesamten Ersparnisse wieder custodially halten würden? Ähnlich wie im aktuellen Bankensystem? Geht das überhaupt ohne Vertrauen?

Lightning selbst ist nicht custodial, es ist Vertrauens-minimiert. Aber richtig, es könnte eine semi-custodial Komponente geben, bei der nur in großen Chargen onchain abgewickelt wird, wenn z.B. im schlimmsten Fall eine “Neo-Bank” ausfällt. Das normale Budget innerhalb einer Familie könnte man auch als “Bank” bezeichnen.

ELTOO wird einige Dinge verändern. In 5 Jahren werden wir wahrscheinlich nicht mehr das aktuelle Lightning-Setup benutzen.

Die Vision von “Kleinbanken”

Suveräne Personen, große Banken, Firmen und Regierungen werden es sich leisten können, onchain zu settlen und selber UTXOs zu besitzen. Der Rest wird sich wohl den Besitz teilen müssen. Die günstigste Lösung wird custodial mit erlaubnislosem Exit sein.

Angesichts der massiven Vorteile, die Lightning für die Transaktionsgeschwindigkeit, die Transaktionskosten und die Privatsphäre bietet, was denkst du, warum die Größe des Lightning-Netzwerks immer noch “relativ klein” ist?

Die Adoption ist gering. Diese 1200 BTC können tatsächlich genutzt werden und die TPS sind bereits höher als bei jedem anderen Shitcoin. Außerdem ist das nur die öffentliche (bekannt gegebene) Kapazität. Es gibt wahrscheinlich ein Vielfaches davon zwischen großen Anbietern in privaten Kanälen und der Gegenwert davon ist auch gerade um das 10-fache gestiegen.

Du arbeitest an Lightning und Onchain-Privacy-Protokollen. Ist die Nutzung von Lightning privat? Muss man immer noch coinjoinen, wenn man einen Lightning-Node hat?

Kanalöffnungen und -schließungen sind öffentliche Transaktionen auf der transparenten Bitcoin-Blockchain. Öffentliche Kanäle werden mit dem festen Pubkey des Nodes verbunden. Private Channels (die man besser “nicht-öffentlich” nennen sollte) werden auch geteilt, wenn man Zahlungen über sie erhält.

Es ist am besten, coinjoined UTXOs zu verwenden, um die finanzielle Geschichte (möglicherweise KYC-Informationen) nicht mit dem Lightning-Knoten zu verbinden. Verwende Tor, um den physischen Standort des LN-Nodes (IP-Adresse) zu verschleiern.

Das Bezahlen mit Lightning ist einigermaßen privat. Es passiert offchain, wird also nicht für die Ewigkeit gespeichert, um später analysiert zu werden. Das Senden von Sats über LN profitiert vom Onionpackaging und Routing (das ähnlich wie Tor funktioniert), so dass die Quelle der Gelder verschleiert wird. Große Zahlungen über wenige Hops können aber durch ständiges Channel-Probing überwacht werden.

Lightning
Anzahl der Lightning-Channels im Netzwerk – via bitcoinvisuals.com

Das Empfangen auf LN ist problematisch, da bei jeder Rechnung ein fester Pubkey geteilt werden muss. Öffentliche Channels sind an den Pubkey gekoppelt. Private Channels brauchen Routing-Hints in der Invoice, welche ein Hinweis auf die jeweilige Funding-UTXO sein können. Es ist immer noch am besten, Bitcoin onchain mit einer neue Adresse zu empfangen. Eine gute Möglichkeit ist auch, einen Einweg-Node zu verwenden, oder z.B. ein custodial Wallet ohne KYC.

lntxbot.bigsun.xyz/@openoms gibt jedem einen einzigartigen Pubkey (mit einem fake privaten Kanal von @lntxbot). Breez hat ein großartiges POS-Terminal (für den einmaligen oder zweckgebundenen Gebrauch). Es gibt auch Wallet of Satoshi und Bluewallet, das sind Non-KYC-Nodes. Man kann auch sein lntxbot-Konto in Bluewallet importieren.

Ich freue mich schon besonders auf rotierende Pubkeys, Pubkey basiertes Routing (statt Channel-IDs) und einfache Fake-Pubkeys mit privaten Kanälen mit der HTLCintercepter API).

Viele würden die Akzeptanz von Lightning an Börsen als das ultimative Zeichen der Adoption bezeichnen. Wenn Lightning privat ist, würden Börsen es dann trotzdem akzeptieren können? Heutzutage werden ja bereits Coins mit Coinjoin-Geschichte geblacklistet.

Ja, typischerweise gibt es niedrige Limits für KYC-Lightning-Abhebungen. Oder man muss, wie in der Schweiz, eine Nachricht mit dem eigenen Node unterschreiben, um das Geld auf die eigene Wallet zu übertragen. Bottlepay (die bekanntlich keine Coinjoined-Coins akzeptieren) haben angeblich ein Limit von 50£ für Lightning-Abhebungen pro Tag. Ich weiß nicht, wie es bei Strike ist, vielleicht haben sie keins. Bitfinex zum Beispiel hat kein spezifisches Limit für LN.

LN-Einzahlungen sind super. Dabei brauch man sich keine Sorgen machen, wie bei Offchain-Einzahlungen, da es keine Informationen über die Quelle einer Zahlung gibt. Chainalysis hat bisher nichts zu LN-Zahlungen und es würde ständiges hochfrequentes Probing erfordern, um dieses zu überwachen – das wäre wahrscheinlich sogar illegal. Das ist etwas ganz anderes als die immer verfügbare öffentliche Chain zu betrachten

Was ist deiner Meinung nach die aufregendste Anwendung des Lightning Netzwerks?

Bitcoin als Tauschmittel im Allgemeinen. Weil LN das ermöglicht, aber die Base-Layer nicht (und auch nicht sollte).
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Danke für die Einblicke in das Lightning-Netzwerk!

Twitter: @openoms
Github: github.com/openoms
Shop: DIYnodes.com

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