Bitcoin, nicht Krypto – Warum Altcoins keine Langzeitanlage sind

In der Laufbahn jedes Bitcoiners stellt sich irgendwann die Frage: “Soll ich in diesen Altcoin investieren? Die versprechen viel schneller zu sein und haben Smart-Contracts und Staking und sind ja viel ökologischer als Bitcoin.” Annähernd jeder, der heute als “Bitcoin-Maximalist” bezeichnet würde, hat schon einmal einen Altcoin gekauft. Um euch die Erfahrung und vor allem den Geldverlust zu ersparen, werde ich im Folgenden die größten Kritikpunkte an Altcoins aufzeigen, damit ihr euch selbst eine Meinung bilden könnt:

Übersicht:

  • Zentralisierung
  • Finanzierung
  • Kontrolle
  • Blockchain
  • Proof of Work
  • Moralisch
  • Der Wert von Bitcoin

Zentralisierung

Im Endeffekt ist die Zentralisierung das Kernproblem von Altcoins. Alle weiteren Probleme ergeben sich aus dieser Tatsache. Mit “Zentralisierung” ist in diesem Fall das Vertrauen in einige wenige Leute, die das Netzwerk an Leben halten, gemeint. In der Regel sind das Entwickler-Teams, Firmen, Kollektive, oder sogar einzelne Personen. Oftmals wird argumentiert, dass ein Netzwerk nunmal Entwickler braucht – das stimmt zwar, aber diese Entwickler sollten nicht durch feste Anstellung und Gehälter dazu bewegt werden daran zu arbeiten, sondern durch Überzeugung und Vertrauen in das Projekt.

Wenn ein Altcoin von wenigen Leuten kontrolliert wird, können Entscheidungen schnell getroffen werden und wer garantiert, dass das Ziel des Netzwerks in 5 Jahren immer noch das gleiche ist wie aktuell?

Oft muss man sich fragen, ob an einem Coin überhaupt noch gearbeitet würde, wenn die Entwickler nicht bezahlt werden würden. Satoshi hat kein Geld für die Entwicklung von Bitcoin bekommen und ebenso wenig werden heutzutage Bitcoin-Entwickler dafür bezahlt das Protokoll voran zu bringen. Vollzeit-Bitcoin-Entwickler finanzieren sich durch freiwillige Community-Spenden und in manchen Fällen durch unabhängige Firmen.

Aber woher kommt das Geld um Entwickler für ein Protokoll einzustellen?

Finanzierung

Das am häufigsten verwendete Mittel zur Finanzierung eines Coins ist der ICO (initial coin offering). Eine Team von Leuten entwirft ein Whitepaper mit großen Versprechungen, das zeigt wofür der Coin alles benutzt werden könnte und wie viel der Coin einmal wert sein könnte. Dann wird eine Summe festgelegt, die das Team für die Entwicklung braucht und Coins werden verkauft, die vorher aus dem nichts entstanden sind.

Hinter diesen Coins steht kein Aufwand, sie werden vom Team “gedruckt” und für einen selbst festgelegten Preis verkauft. Der durchschnittliche ICO in 2017 nahm übrigens circa $50 Millionen ein. Da das Geld aus dem ICO natürlich nicht für den mehrjährigen Unterhalt des Projektes reicht, wird zusätzlich noch eine sogenannte “Pre-Mine” hinzugefügt. Das bedeutet, dass das Team sich noch vor dem ICO einen Großteil der Coins als “Gründer-Bonus” selbst druckt.

Das bedeutet – das Team besitzt hunderte Millionen an Dollar und zusätzlich noch einen Großteil der ausgegebenen Coins im Wert von mehreren Millionen Dollar. Das Problem bei einer solchen Verteilung der Coins ist, dass das Team keine Kosten für die Coins hat, sondern diese ungeachtet dem Preis, den die ICO Käufer bezahlt haben, auf dem freien Markt verkaufen können.

Grün: Aus Mining erzeugt, Rot: Aus dem Nichts erzeugt

Damit entsteht ein sehr asymetrischer Markt, der alleine von einer zentralen Person beeinflusst werden kann. Wiedereinmal müsst ihr einer einzelnen Partei vertrauen.

Kontrolle

Wer kontrolliert eigentlich so eine Blockchain? Eigentlich soll dabei doch alles ohne Vertrauen ablaufen und dem Protokoll vertraut werden. Im Falle von Bitcoin ist das auch so. Die Miner erzeugen Blöcke mit Transaktionen, die Nodes verifizieren und propagieren diese. Soweit – so einfach. Aber was passiert, wenn mal etwas schief läuft? Kann überhaupt was schief laufen?

Ethereums Emissionrate (in Gelb) wurde immer wieder willkürlich durch die Foundation verändert

Nehmen wir den “DAO Hack” als Beispiel, als riesige Summen an Ether aufgrund eines schlechten Smart-Contracts geklaut wurden: Damals entschied die Ethereum Foundation, die Organisation hinter Ethereum, die Blockchain zurückzusetzen und den Hack ungeschehen zu machen. Aus der neuen Fork entstand was heute als “Ethereum” bekannt ist, die alte Blockchain wurde in Ethereum Classic umbenannt. Die Leute, die Ethereum Classic unterstützt haben, sahen einen riesigen Berg an pre-mined Ether Classic, der durch die Ethereum Foundation am Markt verkauft wurde und Ethereum Classic faktisch zerstörte. Das war es dann mit der “Unveränderbarkeit” von Ethereum.

Vitalik Buterin ist einer der Gründer von Ethereum

Sollte eine Person, bzw. ein Team die Möglichkeit haben ein komplettes Finanzsystem anzuhalten und umzuschreiben? Was passiert, wenn eine Regierung die Deaktivierung eines Netzwerks oder das Blacklisting von Adressen fordert? Ethereum ist nicht das einzige Beispiel für einen solchen Eingriff in ein “dezentrales” System. Auch IOTAs Netzwerk wurde Anfang dieses Jahres für EINEN MONAT deaktiviert. Währenddessen konnte niemand seine Token versenden oder empfangen – wahrlich dezentralisiert.

Eine Kryptowährung sollte keinen zentralen Fehlerpunkt haben.

Blockchain

Alles braucht eine Blockchain: Dein Auto, dein Streamingservice, dein Toaster und vor allem dein Zahnarzt. Zumindest ist das der Fall wenn man sich die Whitepaper der größten Altcoins durchließt. Dabei ist das Wort “Blockchain” noch nicht einmal im Bitcoin Whitepaper zu finden.

Tatsache ist jedoch, dass eine Blockchain nur in sehr speziellen Anwendungsgebieten eine Rolle spielt. In 99% der Fälle ist ein zentralisiertes System in Form von Servern eine bessere Lösung. Eine Blockchain wird benötigt, wenn:

  • ein Zustand gespeichert werden muss und..
  • mehrere Leute diese Zustände ändern können und..
  • du keiner dritten Partei vertrauen kannst und..
  • nicht alle berechtigten Leute bekannt und vertrauenswürdig sind

Wie viele Einsatzgebiete gibt es dafür wirklich? Und wie viel groß ist der Nutzen davon? Bisher gab es noch kein erfolgreiches Konzept, das die Blockchain als etwas anderes als ein Geldsystem benutzt hat. Wenn ein System von einer Partei kontrolliert wird und verändert werden kann – worin besteht dann der Mehrwert von einer öffentlichen Blockchain?

Proof of Work

Bitcoin benötigt viel Strom. Oft wird dieser Stromverbrauch als Grund gesehen, alternative Sicherheits-Mechanismen in Betracht zu ziehen. Viele Altcoins behaupten, das “Problem” des Stromverbrauchs von Bitcoin gelöst zu haben, indem sie Proof of Stake implementieren. Doch PoS ist keine Alternative zu PoW.

Das Hauptproblem von Proof of Stake ist, dass die Entscheidungskraft bei den Leuten liegt, die am meisten davon profitieren. Wer am meisten Coins besitzt, erhält am meisten Coins. Es ist ein abgeschlossenes System, in dem es Außenstehenden nicht möglich ist, unabhängig teilzunehmen. Während an Proof of Work durch die Rechenkraft von ASICs, GPUs oder CPUs teilgenommen werden kann, kann in Proof of Stake nur durch Kaufen der Coins teilgenommen werden. Die Preise von ASICs sind nicht direkt vom Coinpreis abhängig. Damit entsteht ein offenes System.

Effektiv entsteht bei Proof of Stake zusätzliche Zentralisierung: Wer einmal viele Coins besitzt, erhält ohne Aufwand weitere Coins und hat keinen Grund etwas an dieser Position zu ändern.

Moralisch

Jeder würde gerne sagen können “Ich habe Bitcoin schon 2012 gekauft!“. Aber was, wenn das Gefühl von Zu-Spät-Sein so groß ist, dass man nicht mehr daran glaubt von Bitcoin profitieren zu können? Vielleicht kommt ja noch einmal die Chance ganz von vorne mit dabei zu sein und riesige Gewinne einzufahren. Einer von den Schlauen zu sein, die das Potential vor all den anderen erkannt hat.

Dann fangen die Zweifel an: “Ja klar, Bitcoin ist die allererste Währung. Gibt es Myspace noch? Da kommt bestimmt noch mal was ganz großes und dann bin ich mit dabei“. Also fängt man an sich umzuschauen. Was versprechen die neusten ICO Projekte?

Es erfordert eine gewisse Arroganz, zu sagen “Wir können ein besseres Bitcoin bauen” und dafür auch noch Geld per ICO einzunehmen. Probleme und Verbesserungspotentiale gibt es in einem System immer. Wer behaupt er könnte Bitcoin besser machen, der kann das problemlos, indem er selber an Bitcoin arbeitet und ein Bitcoin Improvement Proposal einreicht. Es braucht keine neue Blockchain.

Der Wert von Bitcoin

Bitcoin ist nicht wertvoll, weil es die erste Kryptowährung ist. Ist es nämlich nicht. Vor Bitcoin gab es bereits ein Dutzend anderer Kryptowährungen. Bitcoin ist so wertvoll weil es eine revolutionäre Idee mit einer einzigartigen Geschichte verbindet.

2008 teilte Satoshi Nakamote die Idee eines freien, digitalen, unabhängigen Geldsystems mit der Welt. Das Problem, das Bitcoin gelöst hatte: Eine begrenzte, nachvollziehbare Geldmenge und ein System in dem kein Geld gefälscht, bzw. doppelt ausgegeben werden konnte. Die einzige Vorraussetzung? Wer es benutzen möchte, muss sich mit dem Netzwerk verbinden.

Um die Identität des Herrn Nakamoto ranken sich seither viele Mythen. Der Gründer des Bitcoin Netzwerks hatte sich Jahre nach dem Start, als Bitcoin gerade anfieng öffentliches Interesse zu erregen, verabschiedet und damit seine Authorität und damit verbundene Kontrolle aufgegeben. Durch diese Entscheidung gewann Bitcoin das letzte verbleibende Stück an Dezentralisierung und ging in den Besitz der Allgemeinheit über. Seither funktioniert das Netzwerk seit annähernd 12 Jahren ohne nennenswerte Probleme.

Alle “Problemlösungen” von anderen Projekten sind eigentlich nur Kompromisse, die entweder an Zentralisierung oder Sicherheit einbüßen. Startet nun jemand sein “eigenes Bitcoin-Netzwerk”, sind Coins aus diesem Netzwerk nichts anderes als ein Versuch gefälschte Bitcoin auszugeben.

Die Anzahl an Bitcoin ist begrenzt, die Anzahl an Shitcoins ist unendlich.

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