Bitcoin in 2021 – Ein Rückblick auf die letzten Jahre

Nachdem das Thema Bitcoin bei den meisten Menschen vor noch etwas mehr als einem halben Jahr vielleicht für ein müdes Lächeln gesorgt haben dürfte, wird in den Medien aktuell wieder deutlich mehr darüber geredet. Schauen wir uns an, was seit dem letzten Hype in 2017 passiert ist:

Kritiker der Kryptowährung hatten knapp 3 Jahre Zeit, um sich auf den Kursrückgang nach 2017 zu berufen und damit zu beweisen, dass Bitcoin unmöglich das sein könnte, was es versprach. Die These, Bitcoin sei eine Blase, ähnlich der Tulpenmanie Anfang des 20sten Jahrhunderts, fand prominente Unterstützer und schien durch die Kursrückgänge bestätigt. Das Thema war für die breite Masse damit erst einmal erledigt. Zum Glück hatte man nicht investiert. “Die armen Anleger, die um ihr Vermögen gebracht wurden! Kriminell. So etwas sollte verboten werden.” Und so sollte Bitcoin erst einmal für fast 2 Jahre aus den Medien verbannt werden.

Aus der Kommentarspalte auf Welt.de

Vielen wird es wohl so ergangen sein wie mir: Das Thema möglichst vermeiden, höchstens darauf eingehen, wenn es angesprochen wird. Bei Gesprächen über Bitcoin stand aber immer der Elefant im Raum – “Hättest mal bei 20.000€ verkaufen sollen, was?”. Alle Argumente für Bitcoin wurden durch diesen Kurseinbruch hinfällig. Was für einen Wert hat eine Währung, dessen Kurs so stark einbricht?

via tradingview.com

Den letzte Nagel im Sarg für Bitcoin sahen viele Skeptiker im März 2020, als Corona seinen Einfluss auf den Aktienmarkt zeigte. Aktien, ETFs und sogar Gold brach zeitweise stark ein. Weil der Bitcoin dem allgemeinen Markttrend folgte und stark an Wert verlor, wurde ihm von “Experten” kurzerhand der Status einer Krisenwährung aberkannt.

Der Zyklus

Bitcoin
Interesse an Bitcoin laut Google Trends

Für Leute, die bereits Jahre vorher investiert hatten, war das alles jedoch nichts Neues. Das zyklische Verhalten von Bitcoin ist nicht nur normal, sondern sogar Teil des Codes. In der Theorie sorgt die im 4-Jahres-Abstand stattfindende Halbierung der ausgegebenen Bitcoinmenge für ein verringertes Verkaufsvolumen und treibt somit den Preis an. Weil nichts auf der Welt stetig im Preis steigen kann und neue Investoren zukünftige Kursgewinne einpreisen, bilden sich temporäre Blasen, die für starke Kursanstiege und darauffolgende Kurseinbrüche sorgen. Jeder Bitcoin-Besitzer bezahlt seine langfristigen Kursgewinne mit kurzfristiger Volatilität.

via buybitcoinworldwide.com

Schließlich hatte sich an Bitcoin selbst nichts geändert. Zumindest zum Negativen: MultiSig, Lightning, Liquid, Taproot, DLCs, RGB, sind entweder neu entwickelt worden oder heute einfacher zu benutzen als jemals zuvor. Besonders das Lightning-Netzwerk, 2018 noch als Punchingbag von Altcoin-Shills aufgrund von langen Entwicklungszeiten diffamiert, ist mittlerweile bereit für die große Bühne. Mit Strike hat Jack Mallers einen Zahlungsdienst ins Leben gerufen, den es ohne Bitcoin, geschweige denn Lightning, nicht geben könnte. Die App erlaubt es Nutzern mit ihrem regulärem Bankkonto Bitcoin und Fiat zu empfangen und zu versenden. Ohne Grenzen – Ohne Gebühren.

Und tatsächlich stieg das Interesse an Bitcoin wieder. Doch von einer anderen Seite, als so manch einer vermutet hatte.

Die Situation

Prominente Unterstützer

Wie wir bereits letztes Jahr berichteten, äußerten 2020 viele bekannte Ökonomen und Finanzexperten ihre positive Meinung zu Bitcoin. Paul Tudor Jones war einer der ersten bekannten Investoren, der sein Interesse öffentlich machte. Ein durchaus mutiger Schritt, den viele seiner Kollegen kritisierten. Doch nach und nach folgten ihm Experten aus der traditionellen Finanzwelt: Stanley Druckenmiller, Rick Rieder, Raoul Pal, Ricardo Salinas Pliego und viele weitere.

Und obwohl viele Leute Bitcoin immer noch belächelten, sorgten Testimonials wie diese für eine Legitimation von Bitcoin im Finanzsektor.

WSB

WSB Chairman auf Twitter

Während COVID-19 die Welt weiterhin größtenteils im Griff hat, beschäftigen sich immer mehr Menschen mit dem Thema Investieren. Durch Trading-Apps wie Robin Hood oder Trade Republic wurde der Einstieg in den Handel mit Wertpapieren und Assets für neue Zielgruppen möglich. Nichts zeigt den Wandel in der Handelskultur dabei so gut wie das Drama um die Gamestop-Aktie. Zusammen mit einer zunehmenden Gamification des Tradings bildet sich um den Aktienhandel eine Art Subkultur, mit der sich größtenteils junge Leute identifizieren. Spätestens nachdem die Feinde “Robin Hood” und “Hedgefonds” identifiziert wurden, wechselten einige dieser Händler zu Bitcoin, um auf einem wirklich freien Markt zu handeln.

Geldmenge

Geldmenge M2 des US-Dollars

Um die Wirtschaft am Leben zu erhalten und den Konsum anzukurbeln, drucken die Notenbanken der Welt aktuell mehr Geld als jemals zuvor. Die Geldmenge M2 des US-Dollars nahm 2020 um annähernd 30% zu. Dank Quantitative Easing werden Billionen neuer Dollar in die Wirtschaft gepumpt um Firmen und den Aktienmarkt zu stabilisieren. Die Niedrigzinspolitik sorgt dafür, dass Geldleihen so günstig ist wie noch nie. Da Geld mit zunehmender Menge seinen Wert verliert, flüchten Anleger in andere Assets. Weil Bitcoin eine Höchstgrenze von 21 Millionen besitzt, wurde es zunehmend als Absicherung gegen eine sich erhöhende Fiat-Geldmenge wahrgenommen.

Der Effekt

Microstrategy

via Bloomberg

Als absoluter Frontrunner in diesem Zyklus stellte sich MicroStrategy heraus. Die verhältnismäßig kleine Data-Analytics Firma gab im Juli 2020 bekannt, mit $250M einen Teil seiner Cash-Reserven in Bitcoin eingetauscht zu haben. Außerhalb von Firmen mit direktem Bitcoin-Bezug wurde Microstrategy so zum ersten börsennotierten Unternehmen mit Bitcoin im Portfolio. Diese Strategie traf auf heftige Kritik aus den Medien: Es sei viel zu fahrlässig die Reserven eines Unternehmens in eine so instabile Währung zu stecken. Doch wie vom Kursfieber gepackt investierte MicroStrategy nach und nach immer mehr Kapital in Bitcoin und hält zum aktuellen Zeitpunkt Bitcoin im Wert von $3,5Mrd. Und das bei einem Kaufpreis von $1,15Mrd.

PayPal

via spiegel.de

Die erste große Nachricht, die Bitcoin wieder auf den Schirm vieler Leute brachte, war die Ankündigung von PayPal, den Handel und Zahlung mit Bitcoin anzubieten. Da PayPal eine Institution ist, der bereits hunderte Millionen Leute ihr Geld anvertrauen, betitelten viele Medien diese Ankündigung als eine Art “Ritterschlag” für Bitcoin. Tatsächlich starteten US-Kunden der App kurz darauf mit einem extrem hohen Handelsvolumen.

Square

via CNBC

Nachdem Bitcoin-Bulle Jack Dorsey bereits seit Jahren Bitcoin unterstützt, entschied sich der von ihm gegründete Zahlungsdienstleister Square dazu, $50M seiner Cash-Reserven in Bitcoin umzuwandeln und hielt sich die Möglichkeit offen weitere Käufe zu tätigen. Square unterstützt seit Jahren Projekte wie BTCPayServer und einzelne Bitcoin-Entwickler.

Grayscale

Grayscales Bitcoin Holdings via bybt.com

Seit Anfang 2020 ermöglicht es Grayscale seinen Kunden Bitcoin in Form ihres Exchange Traded Products (ETP) “GBTC” an regulären Börsen zu handeln und Bitcoin sogar zu einem Bestandteil der amerikanischen Altersvorsorge “401k” zu machen. Zu sagen, das Produkt sei erfolgreich, wäre eine glatte Untertreibung. Im Laufe des Jahres ist Grayscale zu einem der größten Verwahrer von Bitcoin geworden und hält aktuell mehr als 650.000 BTC im Auftrag ihrer Kunden. Das sind knapp 3% aller Bitcoin.

Tesla

via welt.de

“Tesla investiert $1,5 Mrd in Bitcoin und wird es als Zahlungsmittel akzeptieren”. Tatsächlich ist dies meiner Meinung nach eine der einflussreichsten Nachrichten in der Geschichte von Bitcoin, die zu einem Zeitpunkt kommt, den sie besser nicht hätten wählen können. Der Automobilhersteller gibt an, annähernd 7% seiner Cash-Reserven in Bitcoin investiert zu haben.

Tesla mag zwar ein durchaus umstrittenes Unternehmen sein, doch die Tatsache, dass ein Unternehmen aus dem S&P500 einen relativ großen Teil seines Geldes lieber in Bitcoin als in Dollar hält, ist ein deutliches Zeichen.

Mastercard

via CNN Business

Erst lachen sie dich aus, dann bekämpfen sie dich, dann schließen sie sich dir an“. Nichts zeigt das so sehr wie der Fall Mastercard. Hatte der Zahlungsdienstleister 2014 Bitcoin noch als Mittel zum Kauf illegaler Waren bezeichnet, verkündete er jüngst, Bitcoin in Zukunft als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Ähnlich wie bei PayPal würde Bitcoin dabei zu Fiat konvertiert und dem Empfänger ausgezahlt.

Auch Visa bietet bereits mehrere Bitcoin-kompatible Services an.

Eine wachsende Übersicht weiterer Institutionen, die in Bitcoin investiert haben, werden auf der Website https://bitcointreasuries.org/, welche durch @NVK gepflegt wird, gelistet.

Onchain-Analyse von Glassnode

Waren es in den letzten Bitcoin-Hype-Zyklen noch größtenteils private Kleinanleger, die den Preis in die Höhe trieben, sind heute maßgeblich große Player beteiligt. Institutionelle FOMO (Fear-Of-Missing-Out) ist real. Mehr und mehr der größten Unternehmen setzen auf Bitcoin, indem sie entweder aktiv in Bitcoin investieren oder ihn als Zahlungsmittel akzeptieren. Kein Zahlungsdienstleister kann sich dem Effekt der Kryptowährung mehr entziehen. Während er noch in 2018 und 2019 von den meisten Firmen höchstens müde belächelt wurde, wird der Bitcoin heute ernst genommen.

Diese Institutionalisierung verringert die Wahrscheinlichkeit von oft gefürchteten Bitcoin-Verboten. Die Lobby-Arbeit großer Unternehmen zugunsten Bitcoins dürfte zusätzliche Sicherheit für zukünftige Investoren bringen. Weil Bitcoin nicht Proof-Of-Stake sondern Proof-Of-Work verwendet, ist der Einfluss solcher Großinvestoren auf das Protokoll dabei höchstens minimal. Man stelle sich vor, amerikanische Firmen hielten 30-40% aller Coins in einem PoS-basiertem System. In solch einem Fall könnte die Regierung Gesetze verabschieden und so das Netzwerk kontrollieren.

Weitere Banken, Familienbüros, Fonds und Firmen haben bereits angekündigt in Bitcoin zu investieren. War in 2017 noch die Rede vom digitalen Geld, trifft die Narrative von Bitcoin als digitales Gold heute auf offene Ohren.

Bitcoin ist das richtige Asset zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

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