Was ist Inflation?

Das Schweizer Bundesamt für Statistik (BFS) definiert die Teuerung von Gütern und Dienstleistungen als Inflation.

Das Wort Inflation stammt vom lateinischen Wort inflatio, welches “Anschwellen”, “Aufblähen” bedeutet. In der Volkswirtschaftslehre wird das Wort Inflation als eine Erhöhung des Preisniveaus von Gütern und Dienstleistungen deklariert. Also der Kaufkraftverlust des Geldes. Aber woher kommt dieser Kaufkraftverlust? Was wird aufgebläht? Und wie werden die Daten für die Teuerung laut Bundesamt für Statistik erhoben?

Diesen Fragen möchte ich hier nachgehen. Im Folgenden beziehe ich mich primär auf die Schweiz. Das Problem besteht jedoch auch außerhalb der Schweiz.

Als erstes muss erläutert werden, wie die Teuerung berechnet und die Daten erhoben werden. Die Teuerung wird durch einen virtuellen Warenkorb ermittelt. Dieser Warenkorb beinhaltet die wichtigsten, von den privaten Haushalten konsumierten Waren und Dienstleistungen. Unterteilt und gewichtet wird dieser Warenkorb in 12 der wichtigsten Ausgabenkategorien der Haushalte. Beispielsweise Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke, Bekleidung und Schuhe, Wohnen und Energie (weiter nachzulesen unter folgendem Link). Dieser Warenkorb umfasst eine Vielzahl von Waren und Dienstleistungen in all diesen Kategorien.

Inflation

Wie werden die Preise ermittelt?

Die Preise werden durch Preiserhebende ermittelt und im sogenannten Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) gepflegt. Diese LIK misst die Teuerung in der Schweiz. Insgesamt gibt es 11 Erhebungsregionen des LIK. Wie genau die Preise eruiert werden, kann im Preiserhebungshandbuch nachgelesen werden.

Wer sind die PreiserheberInnen?

Das sind entweder regionale PreiserheberInnen oder die MitarbeiterInnen des BFS.

Alle fünf Jahre (2020, 2025 usw.) werden größere Änderung vorgenommen. Diese dienen dann wieder als Basis für die Messung der Teuerung.

Was ich mich gefragt habe ist, welche Waren werden denn genau gemessen? Ist es die Packung Zigarette der Marke Marlboro Rot? Oder welche spezifische Milch oder welcher Uncle Ben’s Reis? Diese Frage habe ich dem BFS gestellt. Die Antwort darauf war ernüchternd. Erfasst werden die umsatzstärksten Produkte pro Verkaufskanal, gemäß dem Erhebungsschema. 

Was aber im Preiserhebungshandbuch als Grundprinzipien steht, ist folgendes:

„Der wichtigste Grundsatz bei der Preiserhebung besteht darin, über die Zeit hinweg die Preise der gleichen Artikel zu erheben, um die reine Preisentwicklung zu messen. Handelt es sich beim zu erhebenden Artikel zum Beispiel um ein Kilogramm Wildreis, so müssen die PreiserheberInnen monatlich unbedingt den Preis für ein KilogrammWildreis derselben Marke und nicht etwa den Preis für eine andere Reissorte oder eine andere Marke erheben.Um dieses Grundprinzip befolgen zu können, müssen die PreiserheberInnen bei der Preiserhebung die folgenden Informationen sammeln:

  • die detaillierte Beschreibung des Produkts
  • den Verkaufspreis zum Zeitpunkt der Erhebung
  • die genaue Menge
  • Informationen über die Verfügbarkeit der Artikel und allfällige Sortimentswechsel
  • bei Bedarf zusätzliche Informationen zu den Produkteigenschaften (s. Kapitel 4.5.6).
  • Bemerkungen betreffend alle für einen gutenAblauf der Preiserhebung wichtigen Informationen

(Quelle BFS, Preiserhebungshandbuch Version 3, Seite 20, 2017)

Nun wissen wir, dass der Grundsatz besagt, es müssen immer dieselben Produkte zur Erhebung des Preises bestimmt werden. Aber diese können pro Erhebungsregion variieren. Es bedeutet nicht, dass der genau gleiche Liter Milch (z. B. 1 Liter Vollmilch von Emmi) in St. Gallen wie auch in Basel erhoben wird. Dies geschieht eben anhand von den umsatzstärksten Produkten der Regionen.

Die Gewichtung der Preise werden zusätzlich noch in Gewichtung der 11 Erhebungsregionen unterteilt. Das lässt in meinen Augen schon enorm viel Spielraum, um die Preise so zu manipulieren, dass es eine nicht allzu hohe „Inflation“ ergibt.

Gewichtung der Erhebung

So viel zu den Erhebungsmethoden und Zahlen.

Wie sah das ganze im Jahr 2020 aus?

Im Jahr 2020 gab es laut offizieller Medienmitteilung des BFS vom 05.01.2021 eine durchschnittliche Jahresteuerung von -0.7%. (Landesindex der Konsumentenpreise Dezember 2020)

Was aber anzumerken ist, dass die Gewichtungen des Warenkorbs korrigiert wurden.

Warenkorb Landesindex der Konsumentenpreise

Quelle: Zahlen von der BFS – Landesindex der Konsumentenpreise; Tabelle selbst erstellt.

Hier ist zu erkennen, dass die Gewichtungen allesamt angepasst worden sind. Was zu einer Verfälschung der „Teuerung“ kommt und somit gar nicht aussagekräftig ist. Die Gewichtung des Jahres 2021, welche am 12.02.2021 herauskam, hat mich besonders interessiert. Die Gewichtung der Hauptgruppen wurde angepasst. Meiner Meinung nach könnte die Anpassung auf die zukünftigen Spätfolgen der Corona Lockdowns, zurückzuführen sein. Preise von Restaurants und Hotels wurden um über 2.8% nach unten korrigiert. Wohnen und Energie sowie Gesundheitspflege, wurden mit über 2% stark nach oben korrigiert. Welche Gründe diese Anpassung zu Grunde lagen, ist nicht bekannt.

Wie viel Geld wurde denn wirklich ins System gepumpt?

Wir sehen hier einen deutlichen Zuwachs der Geldmengen M1, M2 und M3 über die letzten Jahre, die durch das Drucken des Geldes der Schweizer National Bank (SNB) in das System gespiesen worden ist. Das bedeutet schlussendlich, dass unser Geld im Jahr 2020 gegenüber vom 1. Januar im Jahr 2011 um sage und schreibe 383 Mrd. Franken zugenommen hat. Dies entspricht einer Erhöhung der Geldmenge von 50.53%. Was wiederum über der Hälfte des Bruttoinlandproduktes im Jahre 2019 entspricht (704 Mrd. Franken). Also hat unser Geld innerhalb von 10 Jahren rund 50% an Wert verloren.

Verglichen mit der Zunahme von Ende Jahr 2019 auf Ende Jahr 2020 sind es 6.54%. In der Regel wird Ihre Lohnerhöhung auf Basis der Zahlen des BFS, also der Teuerung von -0.7% berechnet. Das heißt sie werden entweder keine oder lediglich eine kaum merkliche tatsächliche Gehaltserhöhung erhalten. Und auch nur dann, wenn Ihr Arbeitgeber schwarze Zahlen geschrieben hat, was sich in diesem Jahr wohl schwerer gestalten dürfte als in vorherigen Jahren.

In der untenstehenden Statistik sehen Sie die Geldmengenzunahme im Jahr 2020.

Quelle: SNB

Was sagen nun all diese Zahlen aus?

Es muss beachtet werden, dass wegen des Cantillon-Effekts (nicht automatisch gleichmäßige Verteilung auf alle Bereiche einer Volkswirtschaft) die Geldmenge, die von der SNB generiert bzw. gedruckt wird, erst in etwa drei bis fünf Jahren spürbar wäre. Bis dahin sind die Preise jedoch wieder gestiegen und die Mittel- und Unterschicht der Bürger hat relativ wenig davon, da das ersparte Geld bis dahin wahrscheinlich wieder 20% weniger Wert hat als noch heute.

Zusammenhang M2 Geldmenge und Inflation des US-Dollars – via longtermtrends.net

Rechenbeispiel der Geldzunahme mit 5% pro Jahr auf fünf Jahre gerechnet: Wir gehen von 100‘000 CHF aus. 

100‘000 CHF x 5% x 5 Jahre ergibt 127‘628 CHF.

Also eine Zunahme von 27,6% zum ersten Jahr. Nach weiteren fünf Jahren wären es 162‘889 CHF. Somit eine Zunahme von über 62% zum ersten Jahr. Anders gesagt, das Geld hat die Kaufkraft um 62% verloren, da es nun 62% mehr Geld im Umlauf hat als noch vor zehn Jahren.

Hier spricht der Ökonom noch nicht von einer Hyperinflation, sondern von der „gesunden“ Inflation. Was passiert aber, wenn dies aus dem Ruder läuft? Eine Hyperinflation ist die Folge. Das dies aber keine Seltenheiten sind, kann auf Wikipedia nachvollzogen werden. Die jüngsten Beispiele dafür sind Weißrussland, Venezuela, Simbabwe. Das nächste Land mit einer Hyperinflation wird wohl die Türkei sein. Die Türkische Lira hat aktuell so enorme Schwankungen, dass kaum eine Aussage darüber getroffen werden kann, wie schlimm die Inflation wirklich ist. Im Schnitt liegt sie dort bei ca. 11% pro Jahr.

Fazit ist, dass durch die Teuerung und dessen Gewichtungen die eigentliche Inflation (Geldzunahme) verschleiert wird. Das heute auf die Seite gelegte Geld hat in 10 Jahren womöglich nur noch die Hälfte an Wert. Jeder sollte sich somit gut überlegen, ob er sein Geld auf dem Bankkonto liegen lassen möchte und dabei Negativzinsen zahlt um am Ende noch einmal weniger Kaufkraft zu haben.

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